Climate and Energy
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WHG Know-how

Zertifizierung von Biokraftstoffen und flüssigen Biobrennstoffen

Einführung

Fossile Ressourcen werden weltweit spürbar knapper. Um die Energieversorgung langfristig zu sichern, gewinnen Strategien der Nutzung erneuerbarer Energien immer größere Bedeutung. Energie aus nachwachsenden Rohstoffen stellt dabei insbesondere im Transportsektor eine Möglichkeit dar, Unabhängigkeit gegenüber fossilen Energieträgern zu erlangen.

Dieses Potential spiegelt sich im politischen Förderinstrument der Biokraftstoffquote wider. Dabei wird nicht nur einseitig das Ziel der Versorgungssicherheit verfolgt, sondern ein holistischer Ansatz gewählt. Damit sollen Kraftstoffe und flüssige Brennstoffe zusätzlich Kriterien der Nachhaltigkeit erfüllen und zum Klimaschutz beitragen.

In diesem Sinne präsentierte die EU Kommission im Januar 2008 einen Vorschlag für eine Richtlinie zur Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen. Nach einem nur elf Monate dauernden Gesetzgebungsverfahren hat das Europäische Parlament schließlich mit großer Mehrheit das EU-Klimapaket verabschiedet.

Die EU erkennt darin an, wie wichtig es ist, erneuerbare Energien stärker zu fördern. Sie können durch geringere Treibhausgasemissionen nicht nur zum Klimaschutz beitragen, sondern auch zu nachhaltiger Entwicklung, Versorgungssicherheit und zum Aufbau einer wissensgestützten Wirtschaft, was sich auf Arbeitsplätze, Wirtschaftswachstum, Wettbewerb sowie die regionale und ländliche Entwicklung auswirkt.

Mit diesem Richtlinienvorschlag wird ein verbindlicher Anteil erneuerbarer Energien am Energieverbrauch von insgesamt 20% festgelegt. Der Anteil erneuerbarer Energien im Verkehrssektor beträgt 10% und ist für jeden Mitgliedstaat verbindlich.

Damit Biokraftstoffe einen Beitrag zu Klimaschutz und ökologischer Nachhaltigkeit leisten, soll ihre Herstellung auf ökologisch nachhaltige Weise erfolgen. Kriterien hierfür sind in Artikel 17 der Richtlinie festgelegt.

Kriterien für die ökologische Nachhaltigkeit

Die EU-Richtlinie für die Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen erfordert, dass Biokraftstoffe auf ökologisch nachhaltige Weise hergestellt werden. Biokraftstoffe werden daher nur dann bei der Anrechnung auf nationale Ziele berücksichtigt, wenn sie die Kriterien für ökologische Nachhaltigkeit erfüllen:

Artikel 17(2) Die Einsparung von Treibhausgasemissionen im Vergleich zu fossilen Brennstoffen soll mindestens 35% betragen. Ab 2017 müssen mindestens 50% eingespart werden.

Artikel 17(3) Rohstoffe dürfen nicht auf Flächen mit großer biologischer Vielfalt erzeugt werden (Zustand Januar 2008).


Dies betrifft:

  • Bewaldete Flächen
  • Naturschutzzwecken dienende Flächen (per Gesetz oder internationaler Vereinbarung)
  • Grünland mit großer biologischer Vielfalt

Artikel 17(4) Rohstoffe dürfen nicht auf Flächen mit hohem Kohlenstoffbestand erzeugt werden, wie (Zustand Januar 2008):

  • Feuchtgebieten
  • kontinuierlich bewaldeten Gebieten (mehr als ein Hektar mit Bäumen größer als 5 Meter und einem Überschirmungsgrad von mind. 30%)
  • Gebieten größer als ein Hektar mit über 5 Meter hohen Bäumen und einem Überschirmungsgrad von 10% - 30%

Artikel 17(5) Rohstoffe dürfen nicht auf Flächen erzeugt werden, die im Januar 2008 Torfland waren, außer der Beweis kann erbracht werden, dass das Gebiet nicht trocken gelegt wurde.

Artikel 17(6) Für Biokraftstoffe und andere flüssige Biobrennstoffe aus in der EU produzierten Rohstoffen: Alle für die Landwirtschaft geltenden EU-Umweltanforderungen müssen erfüllt werden.

Berechnung der Treibhausgasemissionen

Die EU-Richtlinie zur Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen sieht vor, dass die Nutzung von Biokraftstoffen und flüssigen Biobrennstoffen an deren Beitrag zum Klimaschutz gekoppelt wird. Die Einsparung von mindestens 35% CO2eq im Vergleich zu fossilen Brennstoffen soll entlang des gesamten Lebensweges berechnet werden.


Für die Berechnung gibt es gemäß Artikel 17 der Richtlinie drei Möglichkeiten:
  1. Verwendung von Standardwerten, die im Anhang der Direktive aufgelistet sind
  2. Verwendung der tatsächlichen Werte. Die Berechnung erfolgt gemäß der Methodik, wie sie in der Direktive festgelegt ist
  3. Kombination von Standardwerten und tatsächlichen Werten für verschiedene Produktionsschritte

Methodik

Anhang VII, Teil C der EU-Richtlinie zur Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen definiert die Methodik für die Berechnung der durch die Herstellung von Biokraftstoffen entstehenden Treibhausgasemissionen. Diese sieht vor, dass nicht nur das in der Biomasse gebundene CO2 berücksichtigt wird, sondern die Treibhausgasemissionen entlang des gesamten Lebensweges berechnet werden. So werden auch Emissionen infolge von Landnutzungsänderung, Anbau der Biomasse, deren Verarbeitung und Transport einbezogen.


Die Formel für die Berechnung lautet:

E = eec + el + ep + etd + eu - esca - eccs - eccr - eee

Dabei sind:

E = Gesamtemissionen bei der Verwendung des Kraftstoffs wird in gCO2eq/MJ berechnet (Gramm CO2-Äquivalent pro Megajoule Kraftstoff)

eec = Emissionen bei Gewinnung und Anbau der Rohstoffe

el = Emissionen aus Änderungen im Kohlenstoffbestand infolge geänderter Flächennutzung

ep = Emissionen bei der Verarbeitung

etd = Emissionen bei Transport und Vertrieb

eu = Emissionen bei der Nutzung des Kraftstoffs (werden auf Null gesetzt)

esca = Emissionseinsparungen durch Speicherung im Boden durch verbesserte Anbautechnik

eccs = Emissionseinsparungen durch Kohlenstoffabscheidung und - sequestrierung

eccr = Emissionseinsparungen durch Kohlenstoffabscheidung und -ersetzung

eee = Emissionseinsparungen durch überschüssigen Strom aus Kraft-Wärme- Kopplung

Nachweispflicht

Die EU-Richtlinie zur Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen sieht vor, dass Wirtschaftsteilnehmer die Einhaltung der Nachhaltigkeitskriterien nachweisen müssen.

Von der EU-Kommission wurde festgelegt, dass dazu die folgenden Möglichkeiten offen stehen:
  1. Die Nutzung des jeweiligen nationalen Systems
  2. Die Nutzung eines freiwilligen, von der EU Kommission zu diesem Zweck anerkannten Systems
  3. Bilaterale oder Multilaterale Verträge mit Drittländern


Implementierung durch die Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung

Die Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung sowie die Biomassestrom-Nachhaltigkeitsverordnung setzen in der Bundesrepublik Deutschland die Erneuerbare-Energien-Richtlinie in nationales Recht um. Dementsprechend ist die Vorlage eines Nachhaltigkeitsnachweises Voraussetzung für die Anrechnung auf die sogenannte Biokraftstoffquote bzw. für Steuerentlastungen. Nachhaltigkeitsnachweise können von Biokraftstoffproduzenten ausgestellt werden, wenn sie über eine gültige Zertifizierung verfügen und die vorgelagerte Produktionskette ebenfalls zertifiziert ist. Für Zertifizierungen gemäß den Nachhaltigkeitsverordnungen wurden von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung die Zertifizierungssysteme ISCC und REDcert anerkannt.
TÜV SÜD Industrie Service GmbH wurde von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung als eine der ersten Zertifizierungsstellen anerkannt und bietet Zertifizierungen sowohl für REDcert als auch für ISCC an.

Freiwillige EU-Zertifizierungssysteme

Am 19.Juli 2011 wurden die ersten sieben freiwilligen Zertifizierungssysteme von der EU Kommission anerkannt. Die Anerkennung ist direkt in allen 27 Mitgliedstaaten gültig. Wird ein Betrieb auf Grundlage eines der anerkannten Systeme zertifiziert, so ist seine Ware in allen EU Mitgliedstaaten als nachhaltig gemäß Erneuerbare-Energien-Richtlinie anerkannt. Und dies unabhängig davon, ob der Betrieb sich innerhalb der EU oder in einem Drittstaat befindet.
Seit Ende 2011 ist TÜV SÜD Industrie Service GmbH weltweit für die Zertifizierung im Rahmen freiwilliger EU-Zertifizierungssysteme anerkannt und bietet Zertifizierungen sowohl für REDcert EU als auch für ISCC EU an.


Zertifizierungsprozess


Vertragsabschluss

Zunächst wird zwischen dem Auftraggeber und dem Zertifizierer (z.B. TÜV SÜD) ein Zertifizierungsvertrag über einen Zeitraum von maximal drei Jahren geschlossen. Die gesetzlich festgelegte Zertifikatsgültigkeit bleibt von der Vertragslaufzeit unberührt.


Voraudit

Zur Vorbereitung auf das Zertifizierungsaudit bietet TÜV SÜD optional ein Voraudit an, um ggf. vorhandene Schwachstellen hinsichtlich der Einhaltung der Systemanforderungen aufzuzeigen. In der Regel erfolgt dies durch einen Auditor, der dem Auditteam des Zertifizierungsaudits angehört.


Auditplan und Dokumentenprüfung

Sind die Voraussetzungen für eine Zertifizierung gegeben, erstellt TÜV SÜD einen Auditplan. Zusätzlich erhält der Auftraggeber eine Dokumentencheckliste mit Informationen über die vorzulegenden Unterlagen sowie einen Zeitplan für ihre Übermittlung.
Anhand der vorgelegten Unterlagen erfolgt eine Dokumentenprüfung durch TÜV SÜD. Auf dieser Grundlage führt die Zertifizierungsstelle eine Risikobewertung hinsichtlich der Einhaltung der Systemanforderungen und zur Ermittlung der Auditintensität durch. Erfordert das Audit Stichprobenkontrollen von Anbaubetrieben bzw. Lagerstätten, wird der Umfang dieser Kontrollen ebenfalls entsprechend der Risikobewertung bestimmt.


Zertifizierungsaudit

Bei dem Zertifizierungsaudit vor Ort wird zunächst der genaue Auditablauf in einem Eröffnungsgespräch besprochen. Gemäß den Anforderungen des jeweiligen Zertifizierungssystems prüft TÜV SÜD die Nachweisunterlagen, Einrichtungen und Prozesse, die im Auditplan aufgeführt wurden. Dies schließt auch die Befragung von Mitarbeitern und ggf. anderen Personen mit ein. Im Abschlussgespräch werden die Auditergebnisse zusammengefasst vorgestellt.


Auditbericht und Zertifikatausstellung

Das Audit wird mit einem schriftlichen Auditbericht abgeschlossen, der die Auditergebnisse enthält. Im Falle eines Maßnahmenplans infolge geringfügiger Abweichungen sind entsprechende Nachweisdokumente im Rahmen der vom Zertifizierungssystem vorgegebenen Fristen nachzuliefern (en bloc). Abschließend wird der finale Auditbericht erstellt. TÜV SÜD prüft die vollständige Auditdokumentation und trifft die Konformitätsentscheidung. Basierend auf den Ergebnissen des Zertifizierungsaudits erfolgt eine abschließende Risikobeurteilung. Bei einer positiven Konformitätsbewertung wird die Zertifizierung mit der Zertifikatsausstellung abgeschlossen. Zertifikate und Auditberichte werden von TÜV SÜD gemäß den jeweiligen Anforderungen an die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) sowie das jeweilige Zertifizierungssystem übermittelt. Der Auftraggeber erhält das Zertifikat sowie das Auditprotokoll und den Auditbericht in einfacher Ausführung. Bei Stichprobenkontrollen ist eine Ausstellung von Konformitätsbescheinigungen in zweifacher Form möglich, die an den Auftraggeber der Zertifizierung versandt werden.


Überwachungsaudit

Die Dienstleistung umfasst das für Erstzertifizierungen gesetzlich vorgeschriebene Überwachungsaudit, das im Regelfall vor Ort stattfindet.


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TÜV SÜD bietet Ihnen ein breites Dienstleistungsangebot zur Zertifizierung von Biokraftstoffen und flüssigen Biobrennstoffen:

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Igor Dormuth
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