Structural Engineering

Ursachen der Schimmelbildung

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Vortrag: Ursachen von Schimmelbildung

Fachartikel: Beurteilung von Schimmel-
pilzbildung bei Wärmebrücken

Feuchtigkeit


Zu hohe Luftfeuchtigkeit ist der ideale Nährboden für Schimmel. Bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 70 bis 80% kann überall im Raum Schimmel entstehen, sogar unter der Tischplatte. Die zu hohe Luftfeuchtigkeit kann eine Folge von Leckagen und Rohrbrüchen, aber auch von undichten Dächern sein. Das Raumklima kann ebenso eine Rolle spielen, wie die Feuchtigkeit in Bauteilen.

Das Ausmaß der Luftfeuchtigkeit im Raum ist abhängig von:

  • Feuchteerzeugung
  • Raumtemperatur
  • Außenklima
  • Luftwechselrate
Die bauphysikalische Beeinflussung der Feuchtigkeit der Bauteile erfolgt durch:

  • Baufeuchtigkeit bzw. aufsteigende Feuchtigkeit aus Untergeschossen
  • geringe Oberflächentemperaturen bzw. Wärmedämmstandart
  • Baustoffeigenschaften (z.B. Sorption)
  • bauphysikalische Vorgänge: Speicherung, Strahlung, Konvektion und Diffusion

Ursachen der Schimmelbildung

  1. Feuchtigkeit in Bauteilen - unabhängig von der Nutzung bzw. der thermischen Bauphysik
  2. Feuchtigkeit aus undichten Rohrleitungen und Wasserschäden
  3. Sehr hohe relative Luftfeuchtigkeit im Raum (80%)
  4. Raumklima in Verbindung mit den bauphysikalischen Vorgängen bzw. technischen Eigenschaften der Bauteile

Schimmel aus bauphysikalischen Gründen entsteht, wenn die Bauteilinnenoberfächentemperatur relativ zu kalt bzw. die relative Luftfeuchtigkeit in Bezug zur Innenoberflächentemperatur zu hoch ist.


Feuchtigkeit von Bauteilen - Baufeuchtigkeit


Die durch den Bauprozess in das Bauwerk eingebrachte Feuchtigkeit entsteht vor allem durch die Verwendung von Baustoffen wie Beton, Mörtel, Estrich, Putz und Farbe. Diese müssen zwangsläufig nass verarbeitet werden, durch mangelhafte Lagerung können die Baustoffe allerdings schon vorab zu viel Feuchtigkeit enthalten. Kalksandsteine oder Porenbetonsteine enthalten aus dem Fertigungsprozess zunächst viel Feuchtigkeit. Bei einem Rohbau ist es wichtig, diesen austrocknen zu lassen. Schlechter Schutz und eindringendes Wasser durch Regen oder Schnee verhindern das Trocknen und können später zu massivem Schimmelbefall führen, nachdem die Bewohner bereits eingezogen sind.

Aufsteigende Feuchtigkeit aus Untergeschossen ist oftmals so stark, dass man diese durch alleiniges Lüften nicht mehr beseitigen kann. Feuchte Baustoffe sorgen für ein feuchtes Klima an deren Oberfläche. Die Folgen sind eine reduzierte Wärmedämmung und Schimmel.

Die Oberflächentemperatur sollte bei dem sogenannten Norm-Raumklima (20°C und 50% relative Luftfeuchtigkeit) und einer Außentemperatur von -5°C an der Innenoberfläche mindestens 12,6°C betragen. Bei der Beurteilung von zwei- und dreidimensionalen Wärmebrücken ist im Detail zwischen Alt- und Neubau zu unterscheiden. Der Nutzer kann die Oberflächentemperatur durch Möbel und Vorhänge negativ beeinflussen. Die Oberflächentemperatur ist abhängig von der Temperatur der Raumluft und der Strahlung. So kann sich beispielsweise hinter einem Schrank unbemerkt Schimmel an der Wand bilden, der oft erst beim Auszug bemerkt wird.

Beliebte Irrtümer


Irrtum:

Die Badezimmertür muss immer geschlossen bleiben, damit die Feuchtigkeit nicht in die restliche Wohnung gelangt.

Wahrheit:

Wenn mehrere Personen morgens duschen und nur einmal gelüftet wird, reicht dies nicht aus, um die Luft und die Bauteile zu trocknen. Die geschlossene Tür behindert den Luftaustausch unabhängig vom Fensterlüften. In einem Bad ohne Fenster kann es bei zu wenig Lüftung auch schnell zu Schimmel kommen - zum Beispiel im Deckenbereich über der Badewanne / Dusche. Stimmt die relative Luftfeuchtigkeit ansonsten, ist der Feuchteanfall aus dem Bad im Verhältnis zum Gesamtvolumen einer Wohnung gering. Deshalb sollte die Türe nach dem Auslüften der Feuchtigkeit über das Fenster bzw. die Lüftung offen bleiben.



Irrtum:

Die Schlafzimmertür muss geschlossen sein. Die warme Luft des Wohnzimmers darf am Abend nicht zur Erwärmung des Schlafzimmers genutzt werden.

Wahrheit:

Werden die Türen tagsüber nicht geschlossen, erwärmt sich das Mauerwerk z. B. auf 20°C. Ein zusätzliches, geringfügiges Lüften während der Nacht bewirkt nun, dass die Wände trotz der Feuchteerzeugung durch schlafende Menschen trocknen, statt feucht zu werden. Wenn dann am Morgen fachgerecht das Schlafzimmer aber auch die Wohnung ausgelüftet werden, kann man den Schlafraum während des Tages wieder aufheizen. Erwärmt man lediglich am Abend für wenige Stunden die Luft im Schlafzimmer über Warmluft aus der Wohnung, entsteht Tauwasser weil die Wände zu kalt sind und die Luft aus der Wohnung zu viel Feuchtigkeit enthält.

Wenn man lediglich abends für wenige Stunden heizt, werden die Wände nicht mit Tiefenwirkung erwärmt. Maßgebend ist auch die relative Luftfeuchtigkeit im Schlafzimmer.

Wie viel Feuchte fällt während der Nacht an? Ist zumindest ein Kippfenster geöffnet?

Ein angemessenes Lüften bei hoher Feuchtigkeit ist unverzichtbar. Andernfalls sind die Fenster morgens beschlagen, was früher oder später zu Schimmel an der Abdichtung und am Fensterrahmen führen wird.



Irrtum:

Durch viel Dämmen wird Schimmel erzeugt.

Wahrheit:

Ein Erhöhen der Luftdichtheit - ohne Kompensation - kann zu Schimmel führen. Eine stärkere Außendämmung führt hingegen zu mehr Oberflächenwärme und verhindert damit Schimmel.

Zum Vortrag: Bauphysikalische Ursachen von Schimmelbildung

Zum Vortrag: Lüftungskonzepte

Kontakt:


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Beurteilung von Wärmedämm-Verbundsystemen bei TÜV SÜD

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